Ich bin ein Berlino – neuer Schwung für die olympische Kernsportart?

12. IAAF Leichtathletik WM in Berlin war ein ErfolgInsgesamt 518.582 Besucher haben nach offiziellen Zahlen der Veranstalter an den neun Wettkampftagen den Weg ins Berliner Olympiastadion gefunden und stolze 1.340.000 Zuschauer säumten zudem die Strecken der fünf Straßenwettbewerbe (Gehen und Marathon) rund um das Brandenburger Tor. Dafür, dass im Vorfeld die Erwartungen an die Leichtathletik-Weltmeisterschaft mit Verweis auf die Olympischen Spiele 2008 (nur eine Bronzemedaille) stark auseinander gingen und viele Stimmen laut wurden, dass zu wenig Werbung für das größte Sportereignis des Jahres gemacht wurde, ist das aus meiner Sicht ein achtbarer Erfolg. Und der hat sich auch auf die Leistungen des deutschen Teams niedergeschlagen, die mit neun Medaillen und Platz fünf in der Nationenwertung (Rang sechs im Medaillenspiegel) ebenfalls über dem erwarteten Ergebnis lagen.

Aus Leverkusener Sicht ist es da natürlich besonders erfreulich, dass durch den TSV Bayer 04 dreimal Edelmetall beigetragen wurde. Allen voran die Grande Dame des Speerwurfs, Steffi Nerius, die ihr Karriereende mit dem Titel krönte. „Geil, es war einfach nur Wahnsinn. Das ist schöner als ein Olympiasieg“, schwärmte eine mit den Tränen kämpfende Nerius. Im Schatten der Europameisterin brauchten sich Siebenkämpferin Jennifer Oeser mit Silber und persönlicher Bestleistung (6.493 Pkt.) sowie Cathleen Tschirch auf Platz drei mit der deutschen 4×100-Meter-Staffel allerdings nicht zu verstecken.

Auch wenn wir die Wettkämpfe leider nur vor dem Fernseher verfolgen konnten, muss die Stimmung im Stadion wohl sehr beeindruckend gewesen sein. So war es ihre eigene Willenskraft, aber auch die Unterstützung der Zuschauer, die Jennifer Oeser nach ihrem Sturz über 800 Meter haben aufstehen und und die Verfolgung der Konkurrentinnen aufnehmen lassen. „Das Publikum hat mich so nach vorne geschrien“, sagte die EM-Vierte und fügte hinzu: „Das war der absolute Hammer.“

Viel zum Erfolg der WM hat sicherlich auch das Maskottchen Berlino beigetragen. Er war schon im Vorfeld der Titelkämpfe, aber auch in und um das Stadion, sehr aktiv und hat für etliche Lacher gesorgt. In Kombination mit Sprintstar Usain Bolt, der neben drei Goldmedaillen und zwei Weltrekorden auch mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin ein Berlino“ auf sich aufmerksam machte, waren die beiden ein Dreamteam für die Leichtathletik. Die Antwort folgte übrigens prompt: Berlino trug am nächsten Tag den Spruch „Ich bin ein Bolt“.

Wieviel von dieser aktuellen WM-Euphorie die Leichtathletik nun in den Alltag mitnehmen kann, sowohl aus Leistungs- als auch aus Publikumssicht, bleibt abzuwarten. Zu hoffen ist es auf jeden Fall, dass ein Teil des Schwungs erhalten bleibt und vielleicht die ein oder andere Fernsehübertragung auch wieder mehr erfolgt. Übrigens war der direkte Vergleich zwischen HD-Übertragung und analogem Signal schon ein beeindruckender Unterschied.

Wer sich nochmal alle Zahlen, Berichte und Fotos rund um die zwölfte Leichtathletik-WM ansehen möchte, wird unter berlin.iaaf.org fündig. Aber auch die Webseite der nächsten Weltmeisterschaft in zwei Jahren in Daegu (Südkorea; 27.08.-04.09.11) ist schon online, allerdings in einer noch sehr spartanischen Form: www.2011daegu.org. Für die deutschen Leichtathleten kommt nach Berlino nun aber erstmal Barni, denn als nächsten Höhepunkt steht die Europameisterschaft 2010 im spanischen Barcelona (26.07.-01.08.10) bevor (www.bcn2010.org).

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